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Tipps Aggressionen bei Demenz

Tipps Aggressionen bei Demenz

Ihr*e Angehörige*r wird aggressiv und unruhig, wenn Sie versuchen ihr/ihm zu ihrem bzw. seinem Besten zu helfen? Gerne möchten wir Ihnen hier einige Tipps geben, wie Sie mit Aggressionen bei Demenz leichter umgehen können.

Gründe für Aggressionen bei Menschen mit Demenz 

Wichtig ist zunächst zu verstehen, dass es Gründe dafür gibt, warum ein Mensch mit Demenz aggressiv wird. Es ist keine Aggression gegen Sie als Unterstützer*in oder Betreuer*in. Es ist daher sehr wichtig, aufkommende Aggressionen NICHT persönlich zu nehmen, um als Unterstützer*in wahrgenommen zu werden und nicht als Gegner*in.

  • Demenz schwächt die erlernte Fähigkeit, emotionale Impulse zu kontrollieren. Der  Fachausdruck für diese Art von Aggressionen bei Demenz ist daher Impulsdurchbruch.
  • Ein Mensch mit Demenz fühlt sich vielleicht in die Ecke getrieben, überfahren, nicht wahrgenommen, missverstanden, überbetreut und/oder zu wenig wertgeschätzt. Das Leben eines Menschen mit Demenz kann voller Enttäuschungen und Niederlagen sein! Vielleicht braucht es einen „Blitzableiter“!?

Tipps für den Umgang mit Aggressionen bei Demenz

  • Machen Sie sich bewusst: Sie sind der flexiblere Teil der Beziehung. Probieren Sie neue Wege aus, wenn Sie einem Menschen mit Demenz etwas vermitteln möchten. 
  • Reagieren Sie nicht spontan, sondern überlegt. Nehmen Sie Reaktionen nicht persönlich, sondern versuchen Sie, sich in Ihre*n Angehörige*n hineinzuversetzen und so zu argumentieren, dass es aus seiner oder ihrer Weise stimmig sein könnte. 
  • Lernen Sie laufend dazu über Demenz und über die Kommunikation mit Menschen mit Demenz. 

Praktische Tipps 

  • Ein erster und wichtiger Tipp für Sie: Machen Sie innerlich und vielleicht tatsächlich zwei Schritte zurück, wenn der Frust sich staut und Zorn sich aufbaut (beim Gegenüber und/oder bei Ihnen). Führen Sie sich vor Augen, dass Ihr*e Angehörige*r bzw. die Person, die Sie vertreten, die Herausforderungen der Situation wahrscheinlich gänzlich anders wahrnimmt als Sie selbst. 
  • Das Ziel ist, für jede schwierige Situation Lösung(en) zu finden, mit der Sie beide leben können. 
  • Sie können dies als Übungsfeld betrachten, um zu lernen, wie Sie sich rasch und leicht vom ursprünglich geplanten Weg zum Ziel verabschieden, um sich andere Wege auszudenken. Falls es Ihnen gelingt, eine Interpretation der Situation zu formulieren, mit der Sie beide leben können, haben Sie beide schon fast “gewonnen”.
  • Denken sie bitte daran: Mit der Demenz geht kognitive Flexibilität verloren. Wir als Unterstützende, Vertretende, Betreuende müssen entsprechend flexibler werden, um das auszugleichen. 

Beispiele: 

  • Versuchen Sie nicht, einen Menschen mit Demenz davon zu überzeugen oder zu nötigen, sich „passend“ anzuziehen, wenn es diesem schwerfällt, sich auf das Urteil anderer zu verlassen. Er selbst kann die Jahreszeit nur mehr im unmittelbaren Kontakt mit der Witterung erkennen. Nehmen Sie stattdessen einen Mantel oder was sonst verweigert wurde mit auf den Spaziergang. Was zu Hause in der geheizten Wohnung nicht angenommen wurde, wird dann in der Kälte draußen gerne angezogen. Oder umgekehrt ausgezogen im Sommer. 
  • Ver(sch)wenden Sie wenig Energie damit, „Ihrem“ Menschen mit Demenz zu erklären, dass dieser hier wohnt, wenn sie oder er gerne „davonlaufen“ möchte. Gehen Sie einfach mit ihm bzw. ihr spazieren oder machen Sie etwa eine Straßenbahnfahrt und vertrauen Sie darauf, dass ein Umkehren bald möglich sein wird.
    Alternativ möglich wäre auch das Ablenken mit einer Beschäftigung, die besonders gerne und leicht gemacht wird oder die Sicherheit gibt. 
  • In beiden Fällen: Vermeiden Sie, bei Aggression bei Demenz diskutieren oder mit vernünftigen Argumenten überzeugen zu wollen. Bedenken Sie, es geht hier um innere Unruhe und das Bedürfnis, diese durch Gehen/Laufen abzubauen bzw. dass man sich im Leben schon viel sicherer, stärker geborgener oder „nützlicher“ gefühlt hat. Weil dieses Gefühl innerlich mit einem Ort oder einer Person verknüpft sein kann, wird dann dieser Mensch oder dieser Ort oder diese Aufgabe bzw. Rolle aus der Vergangenheit gesucht. 
  • Thema „Selbst Autofahren“: Mühen Sie sich nicht ab, hierbei zu moralisieren und strikt bei der Wahrheit zu bleiben. Eine Notlüge, die sicherstellt, dass tatsächlich nicht mehr selbst chauffiert wird, ist notfalls besser, wenn sie gut akzeptiert werden kann. Dieser Rat gilt nur für den Fall, dass tatsächlich schon Gefahr der Selbst- und Fremdgefährdung vorliegt und Sie und andere bereits den „geraden Weg“ versucht haben! Haben Sie schon die Ärzt*in des Vertrauens gebeten, zu überzeugen zu versuchen? 
  • Bevor Sie Druck (oder Zug) ausüben, versuchen Sie es anders als Sie es bisher gemacht haben. Schieben Sie beispielsweise Ihren Menschen mit Demenz nicht in ein Fahrzeug hinein, wenn dieser Scheu davor hat, einzusteigen. Versuchen Sie stattdessen selbst, als Erste*r einzusteigen. 
  • Wenn es Stress mit der Körperpflege gibt, versuchen Sie vorbeugend schon Antistress: Schaffen Sie gute Stimmung schon davor, indem Sie Sie mit Lieblingsmusik auflockern oder etwa einem angenehmen Duft. 
  • „Vorbeugen ist besser als Heilen“: Sie sind der flexiblere Teil der Beziehung. Ändern Sie Ihr Verhalten dort, wo es Schwierigkeiten gibt. Viele aggressive Momente können Sie so schon vorbeugend verhindern. Wenn es dennoch zu „Impulsdurchbrüchen“ kommt, können Sie auf diese Art rasch deeskalieren und wieder zu einer freundlicheren Atmosphäre zurückkehren.

Unter Demenz-Tipps für Angehörige (Link) finden Sie eine kleine Literaturliste. Hier sei bereits das Buch “Validation” von Naomi Feil empfohlen sowie “Demenz: einfühlsame Kommunikation” von Sabine Engel oder das Grundsatzwerk „Demenz“ von Tom Kitwood.